Heute Mittage war ich noch bei meiner Wahlfamilie und habe mir F. die Beine im Teich gekühlt und die Hitze erschien mir das schlimmste überhaupt. Wieder zu Hause begann meine übliche Nachrichtenrunde, mitlerweile bin ich dazu übergegangen nur noch die Posts von Onlineaktivisten.com zu lesen, da dort alle für mich relevanten Themen auftauchen. Überhaupt beziehe ich in letzter Zeit sehr vieler meiner täglichen Informationen über Facebook und es gefällt mir, auch wenn viel darüber geschipft wird.
Heute haben mich 3 Themen sehr bewegt:
1) http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/politik/welt-im-wandel/355502/355503.php
Das Informationsvolumen, das ein heutiger Mensch an einem einzigen Tag aufnimmt, ist wahrscheinlich größer als alles, was Landbewohner vor einigen Jahrhunderten in ihrem Leben kennenlernten. In einer Tageszeitung stehen mehr Fakten, als ein Mensch des achtzehnten Jahrhunderts bis zu seinem Tod erfuhr, und auf der Fifth Avenue in New York, auf den Champs-Elysées in Paris oder auf der Shiyuba-Kreuzung in Tokio sieht man an einem gewöhnlichen Mittag mehr Menschen, als unsere Vorfahren je zu Gesicht bekamen.Ist das nicht einfach unglaublich? Und wir merken es noch nicht einmal! Meine Generation steht in dem Ruf desinteressiert zu sein, ständig vor dem PC zu hängen oder am Smartphone, aber eben diese Geräte sorgen erst für diese Datenflut. Natürlich variiert die Qualität der Informationen von Nutzer zu Nutzer, doch ist nicht auch ein Bildzeitungsleser besser als ein mittelalterlicher Bauer?
Noch vor dreihundert Generationen (also etwa sechstausend Jahren) jagten die meisten unserer Vorfahren in kleinen Gruppen oder lebten in primitiven Dörfern, vor sechs Generationen gab es noch weder Strom noch Fotografie oder Eisenbahnen, heute geht man davon aus, dass sich das Faktenwissen der Naturwissenschaften in jedem Jahrzehnt verdoppelt und allein in Deutschland werden 100000 Bücher pro Jahr veröffentlicht.
2) http://www.sueddeutsche.de/politik/proteste-in-aller-welt-heiliger-zorn-der-jugend-1.1133140
Der britische Premierminister David Cameron hat die jungen Plünderer für krank erklärt und zur Heilung angekündigt, dass ihren Familien die Sozialhilfe entzogen wird.Für krank? Ok, sie hatten keine wirklich Motivation, aber sind sie deswegen krank, weil sie ihrem Ärger luft machen und keinen anderen Weg wissen als sinnlose Zerstörung? Ist es nicht eher traurig das sie zu einem solchen Mittel greifen? und sind soziale Unruhen jeglicher Form nicht die Symptome einer kranken Gesellschaft? Ist somit nicht die Politik, Mister Cameron selbst krank?
In Großbritannien werden die Sozialleistungen weiter gekürzt; [Cameron] erklärt [...] zur Heilung [...][werden] ihren Familien die Sozialhilfe entzogen wird.Sehr guter Plan, wirklich! Wie bekämpft man soziale Unruhen die auf sozialer Ungerechtigkeit basieren am Besten? Sicher nicht durch deren Steigerung!
3) http://www.welt.de/politik/ausland/article13478596/Island-versucht-sich-an-Politik-ohne-Politiker.html
Endlich einmal etwas Erfreuliches! Das Volk kann via facebook mit an seinen eigenen Gesetzten arbeiten, so, dass jeder, wirklich JEDER mitreden kann. Ich finde das einfach Großartig, denn seien wir mal ehrlich, der kritischste Ort unserer Zeit, die hitzigsten Diskussionen finden hier, im www statt. Hier treffen die unterschiedlichsten Meinungen frontal aufeinander ohne sich eingeschränkt oder bedroht zu fühlen.
Erlingur, der Dichter und pensionierte Gymnasiallehrer, hat Parkinson. Er sitzt zusammengesunken in seinem Stuhl, vor seiner Brust krümmt sich seine magere linke Hand, seine Augen bleiben die meiste Zeit geschlossen. „Das wird das Letzte sein, das ich gebe für die Gemeinschaft“, sagt er.
Ich will mehr davon, mehr Basisdemokratie , mehr echte Demokratie auch in Deutschland.
4) Vor etwa zwei Stunden tauchte folgendes auf meiner facebook-Startseite auf:
Die Libyer feiern auf der Straße, was genau los ist, weiß niemand. Ist es ein Sieg? Ist es nur ein vorläufiger? Es ist egal, sie glauben daran, sie wollen daran glauben, ebenso wie ich. Vor wenigen Monaten habe ich ein Video gesehen, auf dem Menschen sich wenige Minuten zuvor gegenseitig bei Straßenkämpfen für ihr Recht auf Demokratie und Freiheit erschossen haben und ich habe geweint. Nun sehe ich Die Angehörigen dieser Toten, oftmals kaum älter als ich selbst, mitten in der Nacht lautstark und glückstrunken feiern. Und ich weine. Ich hoffe so inständig, dass es der Sieg ist, ich will gar nichts anderes akzeptieren. Kein Toter soll umsonst gestorben sein, keien Angst umsonst gefühlt. Ich kenne das Gefühl in einer Gruppe zu sein und einen, wenn auch kleinen Sieg für seine Überzeugungen und gegen eine scheinbar stärkere Macht errungen zu haben und ich wünsche mir genau jetzt auf diesem Platz zu stehen und einfach mitzujubeln, auch wenn ich kein Wort verstehen würde.
Denn das, genau jetzt ist Geschichte, Geschichte wie der Bau der Pyramiden, Geschichte wie die Gründung von Städten, Geschichte wie die Erfindung des Buchdruckes, wie die Reformation, und wie jeder einzelnen verdammte Krieg. Diese Nacht wird unter Umständen in noch nicht einmal 10 Jahren in den Büchern Stehen und Generationen von Schülern werden sich bemühen (müssen), sich vorzustellen, wie es in dieser Nacht war, was in diesem Jahr Passiert ist, oft lange vor ihrer Zeit und wir, wir nehmen es oftmals einfach nicht war.

Und ich sitze jetzt immer noch hier, auf dem Balkon und sauge die Bilder begierig in mich auf. Mittlerweile bin ich umgeben von der gütigen Kühle der Nacht und weiß jetzt schon, dass ich es in wenigen Stunden bereuen werde, so lange Geschichte erleben zu wollen. Aber das wird nur einen Tag lang so sein. Vielleicht werde ich meinen Enkeln von diesem Tag, dieser Nacht berichten, wenn sie über ihren Büchern stöhnen und ich werde versuchen ihnen alles so lebensnahe wie möglich zu erzählen, was ich gefühlt habe.
Ich könnte zu jedem dieser Artikel ganze Romane schreiben, aber diese wären dann nur noch chaotischer, als dieser Post ohnehin schon ist. Ich weiß noch nicht einmal sicher, warum ich das hier alles aufschreibe, ich schätze weil es so absurd ist.
Während ich die Nachtluft genieße werden Plätze umbenannt, auf Gadaffi-Poster geschossen und getrampelt.
WE ARE FREE!
Es muss einfach so sein!
Guten Nacht.

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