Dienstag, 27. September 2011

Scheiße

Das Leben ist gemein, hinterhältig und absolut sadistisch! Jedes verdammt mal, wenn ich mich entschlossen habe es, etwas für mich wichtiges durch zu ziehen, zieht es scheinbar diabolisch lachend mit einem dicken fetten, leuchtend rotem Permanentmaker einen schon fast astronomischen Strich durch mein Vorhaben.
Jedes verfluchte mal, wenn ich mich dazu entschlossen habe, an mich zu denken, für mich etwas Gutes zu tun und endlich mal mir selbst helfen, ja jedes verfluchte mal meint das beschissene Leben zu sagen: "Nenenenene, so nicht, dir darf es einfach nicht gut gehen! Ich will dich leiden sehen, richtig, richtig leiden! Muhahaha!"
Es ist so unfair! Ich hasse es, mir diese so egoistische und scheinbar absolut kurzsichtige Frage zu stellen.
Warum ich? Was habe ich getan? Aber es gibt Momente, da kann man einfach nicht anders, man fühlt sich hilflos, machtlos und wie ein ein Spielball in den Händen von irgendeiner höheren Macht.
Ich fühle mich momentan ein wenig wie Auraya in Trudi Canavans Triologie, doch ich suche noch verzweifelt nach dieser Macht, die mich, uns alle, als Spielball zur eigenen Erheiterung missbraucht und vor allem nach dem Weg, sie zu zerstören, ein für alle mal!
Es wieder mich an, dass nun zum 3. mal dass, was mich mit am meisten fasziniert mich auch mit am meisten piesackt  mich nieder macht und versucht mich zu brechen.
Ich hasse es, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil ich sie hasse, weil ich es nicht akzeptieren will, nicht kann, auch jetzt nicht. Dass ich mich wahrscheinlich noch mehr verstecken werde vor der Welt, jetzt wo ich eigentlich vor hatte, ein wenig mehr raus zu kommen, dass ich es wieder allen erklären muss und für mich selbst stark bleiben muss. Und all das, obwohl ich noch nicht einmal genau weiß, was Sache ist.
Ich weiß nur, dass es diesmal wirklich ernst sein muss.
Und morbider Weise will ich genau das sehen, was mir all das antut.
Und auch mein Gewissen kämpft, doch ich weiß, dass ich alles bereuen werde, wenn ich es nicht mache.

Samstag, 17. September 2011

Herbst

Der Herbst ist für mich jetzt da. Morgens muss ich eine Jacke anziehen, wenn ich an der Bushaltestelle nicht frieren will, der Rhein ist morgens jetzt immer öfter in dicke Nebelschwaden gehüllt, sodass man nur noch das modriggrüne Brückengeländer sieht. Auch die Bäume werden wechseln schon ihr Kleid: von den verschiedenen und doch so eintönigen Grüntönen in leuchtendes Rot und strahlendes Goldgelb. Äpfel und Nüsse und Kastanien  sind scheinbar überall. Überhaupt ist jetzt all das Reif, was ich gerne esse: Kartoffeln, Nüsse, Äpfel, Brombeeren, Zuccini, Auberginen, Hagebutten fangen jetzt auch an, Broccoli und Maronen werden auch reif. Ich esse nicht wirklich viel Obst, Erdbeeren, Kirchen, Melone, das mag ich alles nur in Getränken oder Backwaren.
Doch jetzt beginnt die Zeit, in der ich mich wohlfühle. Ich liebe die kühlen Temperaturen, den Regen, den Nebel morgens. Ich liebe es mit dicken Wollsocken und einer Tasse Tee im Sessel vorm Fenster und vor der heitzung zu sitzen und bei Musik im Hintergrund und dem Prasseln von Regen an der Fensterscheibe zu lesen. Ich liebe es durch die buntleuchtenden Laubhaufen zu laufen und dabei wie ein Kind zu jauchzend,  Nüsse zu sammeln und mich über meine Ausbeute zu freuen.  Und Apfelstrudel mit Vanillesoße! Oder mein selbstgemachter Zuccini-Tomaten-Feta-Strudel oder Rosmarin-Bratkartoffeln, wenn ich klitschnass nach hause komme!  Und Tee, ganz, ganz viel Tee, Schwarztee mit Milch, Hagebuttentee, bevorzugt selbstgemacht, Früchtetee, Pfefferminzetee,  aufgegossen mit den im Sommer getrockneten Blättern.
Oder abends schon um 7 Uhr bei Kerzenlicht zu sitzen,  mich durchs Internet zu klicken und Musik dazu hören. Es ist zwar nicht mehr 7, aber auch jetzt sitze ich bei Kerzenschein hier.
Ich liebe den Herbst einfach, ich liebe das Wetter, die Düfte, ja selbst, dass meistens meine Zunge verbrannt ist!
Der Herbst geht für mich auch nahtlos in die Weihnachtszeit über, nicht, weil in den Geschäften überall Weihnachtskram steht, selbst jetzt schon – ganz grausam, gehört verboten, wenn es nach mir geht – sondern weil das Wetter einfach immer winterlicher wird und Zimt für mich auch schon in den Herbst gehört.
Hach, ich freu mich auf einen goldigbunten Herbst!


Dienstag, 13. September 2011

Gedankenkämpfe

Momentan wächst mir einfach alles über den Kopf. Jeder will alles von mir und ich will gar nichts. Ich würde am liebsten den ganzen Tag im Bett liegen bleiben, mich unbewusst mit Musik berieseln lassen, immer wieder dösen und aus dem Fenster starren und nichts denken. Gar nichts. Und doch schwirren abermillionen Gedanken gleichzeitig durch mein Hirn und tragen schmerzliche kämpfe um meine Synapsen aus. Und als ob das nicht schon genug wäre will jeder von mir, dass ich auf einmal wieder perfekt funktioniere und keiner scheint zu akzeptieren, dass ich alles hinbekommen würde, aber nur so, wie ich es machen will. Und dabei weiß ich doch gar nicht was ich machen will und schon gar nicht wie! Ich sehe immer weniger Sinn in dem, was ich tue, wie ich es tue, wozu eigentlich? Um es allen anderen recht zu machen? Und was ist mit mir? Immer öfter spiele ich mit dem Gedanken einfach einen Schlussstrich zu ziehen. Einfach ein paar Sachen zu packen an die nächste Autobahn zu gehen und mit einem Schild „Weit-weit-weg“ und einem Smilie drauf. Darauf zu warten von irgendwem einfach irgendwohin mitgenommen zu werden und ein neues Leben anzufangen. Scheiß auf Schule, scheiß auf it, Scheiß auf alles.

Vielleicht nach England, wo ich mir einen wundervollen britischen Akzent zulege und meine Haare scheußlich rot färbe und als Touristenfüherin  arbeite und dann abends auf meinem gestohlenen klapprigen Rad in meine winzige, zugige Wohnung fahre und mich von containertem Essen ernähre, aus dem ich auf dem winzigen Einflammengasherd die köstlichsten Sachen zaubere. Nachts würde ich in allen möglichen Clubs kellnern um so all die coolen Underground-Britrock-Bands sehen zu können und sehr schnell koffeeinabhängig werden. Kaffee wäre das einzige, was ich mir wirklich selbst kaufe, meine Espressokanne eines der wenigen Stücke, die mitgekommen wären. Ich würde so wenig wie möglich für Strom und Wasser ausgeben und all mein Geld unter einer losen Diehle links neben meinem quietschenden, rostigen alten Bett mit all den bunt zusammengewürfelten Decken. Ich hätte neue Freunde, doch niemand würde meine ganze Geschichte kennen. Vielleicht ändere ich auch meinen Namen. Ja bestimmt sogar. Meinen Nachnamen fand ich schon immer doof und mein Vorname passt irgendwie nicht zu mir. Vielleicht würde ich einfach im Hyde Park 50 Leute fragen: „Hey, what‘s my name?“ oder nein ich würde 100 fragen, die coolsten 100, die ich finden kann. Vom kleinen 12-jährigem Punkrockskater über das 60’er-girlygirl bis hin zur coolen alten Oma die zu den Klängen des absolut bekifften Bob Marley verschnitt abgeht.  Der Name, der mir am besten gefällt, den würde ich dann übernehmen.
Ein mal in der Woche würde ich mir einen Tag frei nehmen und in den Bibliotheken und Museen rumhängen, mich in die Vorlesungen der Universitäten schleichen, über Märkte ziehen und alles probieren und all das sehen, hören, riechen, fühlen, was mir momentan fehlt. Ob ich dann glücklich wäre? Vielleicht.
Doch das ist alles nur in meinem Kopf, in Wahrheit habe ich dazu nicht einmal annähernd den Mut, ganz gleich ob es nun wirklich England werden würde, oder doch Schweden oder Italien. Nein, ich bleibe hier und versuche es allen und allem recht zu machen, versuche die nächsten Jahren noch durchzustehen und hoffe darauf, dass alles besser wird, so wie ich es schon seit Jahren tue. Nur noch 3 Jahre, noch 2, noch eins, noch 168 Tage.  Es sind diese lächerlichen, dünnen Zweige in die ich all mein Vertrauen setzte, all meine Hoffnung und von denen ich eigentlich weiß, dass sie mich niemals werden tragen können.  Doch aufgeben ist auch keine Option.  Also weiter, das Ziel feste im Auage behalten, so viel Gutes wie möglich mitnehmen und Hoffen.  Auf mehr Verständnis. Mehr Glück. Mehr Liebe. Mehr Freiheit. Auf Alles.
Also werde ich auch morgen wieder aufstehen und den Monstern die Stirn bieten oder sie mit einem verächtlichen Lächeln links liegen lassen.
Doch bis dahin versuche ich erst einmal einen Teil des ganzen Mistes in Schlaf zu ertränken. 

Montag, 5. September 2011

Einfach so.

Ich könnte gerade einfach heulen, losschluchzen, rotz und wasser. Ich wurde gerade eben wieder an einen wundervollen Moment dank einiger Bilder erinnert, wundervolle Bilder, gemacht von einer wundervollen Person (und von mir). Bilder aus einer unbeschwerten Zeit des Glücks, wo ich mir keine sorgen machte und die nicht sonderlich weit zurück liegt. Ich will zurück, will diese Freiheit wieder haben, diese Vitalität..statt meiner apathischen Trägheit, gefangen in meinem Zimmer und hier, von einer Aura, die mich verdrängt und lähmt, die mir meine Freude nimmt und mich auslaugt, der ich nicht entfliehen kann.
Ich will zurück zu den Menschen die ich mehr oder weniger kenne, die einen akzeptieren und die ich irgendwie verdammt noch mal liebe. In die Natur, die reinste Luft tief einatmen, ans Lagerfeuer, bis fast zur Morgendämmerung und aneinandergekuschelt lachen, an den See, den kleinen Fischen beim Fangen spielen im kristallklarem Wasser zusehen, mit den Teddybärhunden kuscheln, alles.





Sonntag, 4. September 2011

Mit Musik Durchträngt


Langsam rückt dein Ziel immer näher. Noch bist du nicht aufgeregt, die Stimmung locker und ausgelassen, auch wenn der Regen in dicken und unablässigen Tropfen gegen die Scheiben und das Blech geschlagen wird und Blätter, von den Bäumen gerissen, auf der Windschutzscheiben kleben.
Das erste Schild taucht auf und plötzlich siehst du sie, die Arena, dort wo du hinwillst, dein Ziel. Und auf einmal kribbelt dein ganzer Körper, dein Herzschlag beschleunigt sich und Endorphine werden in deine Blutbahn geschüttet. Auf dem Weg zum Parkhaus, rechts und links, überall von vorfreude beschwippste Menschen, die lachen und singen und Bandshirts tragen. 
Jetzt bist du ein Teil, ein Atom der euphorischen Masse, die sich ausgelassen Richtung Arena schiebt. Ticketkontrolle, selbst die Securyties sind ausgelassen und fröhlich. Du verabschiedest dich für die nächsten Stunden von deinen Freunden, weil du leider kein Ticket mehr neben ihnen bekommen hast, verhandelst mit den Veranstaltern und schaffst es doch tatsächlich ein neongrünes Bändchen zu bekommen, dein Ticket für einen Stehplatz vor der Bühne!  Strahlend begibst du dich mitten in die teils schon seit Stunden wartenden Massen und bist absolut glücklich. Umgeben von all diesen Musikjunkies steigt in die dir gleiche ausgelassene Laune wie beim letzten Festival wieder in dir auf, diese Laune, die nur von Musik in Kombination von einer riesigen, ausgelassen Menschenmasse ausgelöst wird und jede Droge übersteigt.
Gespannt verfolgst du das geschäftige Treiben auf der Bühne, wie die Techniker auf und abrennen, den Soundchek machen und deine Aufregung wächst und wächst. Plötzlich gehen alle Lichter aus und es wird mucks Mäuschen still. Ein einzelner Gitarenriff erklingt und alle jubeln und klatschen und eine unbeschreibliche Welle bricht plötzlich über allen zusammen und infiziert sie mit DEM Gefühl.
Es ist nur die Vorband und dennoch tanzen und klatschen alle ausgelassen mit, auch wenn dem großteil, einschließlich dir, die meisten Lieder völlig unbekannt sind. Die Zeit spiel keine Rolle, ebenso Durst und Hunger und Schmerz, alles vergessen, du bist völlig durchströmt von den Klängen der Musik, die dich umspült und in jede einzelne noch so kleine Zelle deines Körpers eindringt und ihn in Schwingungen versetzt, sodass sie das einzige ist, was du noch wahrnimmst.
Es wird wieder Dunkel, eine erwartungsvolle Anspannung erfasst den Saal durchbrochen von glückstrunkenden Gesängen und dann Licht und da sind sie, die 3, auf die du dich schon seit Wochen und Monaten fast schmerzend freust und ein plötzlicher Jubel erfasst jeden einzelnen, bis in den hintersten Winkel der Halle. Du bist eins mit allen, Zelle eines riesigen Organismus, der angetrieben wird von puren Endorphinen, die er aus den perfekt harmonierenden Klängen bezieht.

Auf unerklärliche Weise bist du in der Lage jedes Wort mitzusingen, auch, wenn du niemals den text auswendig gelernt hast, die Glücksklänge zerren die richtigen Worte aus den scheinbar vergessenen Zellen deines Kopfes und lassen sie über deine Lippen gleiten. Du merkst gar nicht, wie du zu den Beats springst und tanzt und ausgelassen in der Menge schwebst.
Es ist eine wundervoll kunterbunte Show mit leuchtenden Luftballons, aufblasbaren Dalmatinern und Dinos, quitschbunten Bällen und bunten blinkenden Lichtern und jeder Menge regenbogenglittrigen Endorphinen die wie ein Feuerwerk aus jedem quillen und jeden anderen infizieren, sodass er keine andere Wahl hat als ebenfalls mitzufeiern.

Plötzlich verschwindert der Sänger und es folgt ein Gitarresolo. Wie aus dem nichts taucht er auf einer kleineren Bühne im hinteren Bereich der Stehplätze, bewaffnet mit einer akustischen Gitarre und spielt, was gewünscht ist. Es sind genau deine Lieblingslieder, absolut rein und pur. Nur seine gänsehauterzeugende Stimme unterstrichen durch die melodischen Klänge der Gitarre. Nach wenigen, viel zu wenigen Liedern stürzt er sich in die endorfingetränkte Menge und zieht in Ekstase und absolut fröhlich zurück zur Bühne. Dort wieder angekommen reißt er ein paar Witze und stimmt die nächsten Lieder an. Jeder versuch es in Worte zu fassen ergibt nur ein klägliches Modell, eine lachhafte Idee jenes Abends. Es war einfach unbeschreiblich.