Dienstag, 13. September 2011

Gedankenkämpfe

Momentan wächst mir einfach alles über den Kopf. Jeder will alles von mir und ich will gar nichts. Ich würde am liebsten den ganzen Tag im Bett liegen bleiben, mich unbewusst mit Musik berieseln lassen, immer wieder dösen und aus dem Fenster starren und nichts denken. Gar nichts. Und doch schwirren abermillionen Gedanken gleichzeitig durch mein Hirn und tragen schmerzliche kämpfe um meine Synapsen aus. Und als ob das nicht schon genug wäre will jeder von mir, dass ich auf einmal wieder perfekt funktioniere und keiner scheint zu akzeptieren, dass ich alles hinbekommen würde, aber nur so, wie ich es machen will. Und dabei weiß ich doch gar nicht was ich machen will und schon gar nicht wie! Ich sehe immer weniger Sinn in dem, was ich tue, wie ich es tue, wozu eigentlich? Um es allen anderen recht zu machen? Und was ist mit mir? Immer öfter spiele ich mit dem Gedanken einfach einen Schlussstrich zu ziehen. Einfach ein paar Sachen zu packen an die nächste Autobahn zu gehen und mit einem Schild „Weit-weit-weg“ und einem Smilie drauf. Darauf zu warten von irgendwem einfach irgendwohin mitgenommen zu werden und ein neues Leben anzufangen. Scheiß auf Schule, scheiß auf it, Scheiß auf alles.

Vielleicht nach England, wo ich mir einen wundervollen britischen Akzent zulege und meine Haare scheußlich rot färbe und als Touristenfüherin  arbeite und dann abends auf meinem gestohlenen klapprigen Rad in meine winzige, zugige Wohnung fahre und mich von containertem Essen ernähre, aus dem ich auf dem winzigen Einflammengasherd die köstlichsten Sachen zaubere. Nachts würde ich in allen möglichen Clubs kellnern um so all die coolen Underground-Britrock-Bands sehen zu können und sehr schnell koffeeinabhängig werden. Kaffee wäre das einzige, was ich mir wirklich selbst kaufe, meine Espressokanne eines der wenigen Stücke, die mitgekommen wären. Ich würde so wenig wie möglich für Strom und Wasser ausgeben und all mein Geld unter einer losen Diehle links neben meinem quietschenden, rostigen alten Bett mit all den bunt zusammengewürfelten Decken. Ich hätte neue Freunde, doch niemand würde meine ganze Geschichte kennen. Vielleicht ändere ich auch meinen Namen. Ja bestimmt sogar. Meinen Nachnamen fand ich schon immer doof und mein Vorname passt irgendwie nicht zu mir. Vielleicht würde ich einfach im Hyde Park 50 Leute fragen: „Hey, what‘s my name?“ oder nein ich würde 100 fragen, die coolsten 100, die ich finden kann. Vom kleinen 12-jährigem Punkrockskater über das 60’er-girlygirl bis hin zur coolen alten Oma die zu den Klängen des absolut bekifften Bob Marley verschnitt abgeht.  Der Name, der mir am besten gefällt, den würde ich dann übernehmen.
Ein mal in der Woche würde ich mir einen Tag frei nehmen und in den Bibliotheken und Museen rumhängen, mich in die Vorlesungen der Universitäten schleichen, über Märkte ziehen und alles probieren und all das sehen, hören, riechen, fühlen, was mir momentan fehlt. Ob ich dann glücklich wäre? Vielleicht.
Doch das ist alles nur in meinem Kopf, in Wahrheit habe ich dazu nicht einmal annähernd den Mut, ganz gleich ob es nun wirklich England werden würde, oder doch Schweden oder Italien. Nein, ich bleibe hier und versuche es allen und allem recht zu machen, versuche die nächsten Jahren noch durchzustehen und hoffe darauf, dass alles besser wird, so wie ich es schon seit Jahren tue. Nur noch 3 Jahre, noch 2, noch eins, noch 168 Tage.  Es sind diese lächerlichen, dünnen Zweige in die ich all mein Vertrauen setzte, all meine Hoffnung und von denen ich eigentlich weiß, dass sie mich niemals werden tragen können.  Doch aufgeben ist auch keine Option.  Also weiter, das Ziel feste im Auage behalten, so viel Gutes wie möglich mitnehmen und Hoffen.  Auf mehr Verständnis. Mehr Glück. Mehr Liebe. Mehr Freiheit. Auf Alles.
Also werde ich auch morgen wieder aufstehen und den Monstern die Stirn bieten oder sie mit einem verächtlichen Lächeln links liegen lassen.
Doch bis dahin versuche ich erst einmal einen Teil des ganzen Mistes in Schlaf zu ertränken. 

1 Kommentar:

  1. Ich würde dir gerne schreiben, dass du dieses Träumen von einer besseren Welt für dich nicht brauchst, dass deine jetzige Realität gut sein kann - aber das wäre eine Lüge, die man mir auch oft genug erzählt hat. Manchmal wird es eben nicht besser. Manchmal wird es eben ziemlich lange nicht auch nur ein winziges bisschen besser. Aber weißt du was? Deine... Beschreibung dessen, was du dir vielleicht wünschen würdest, das ist so wundervoll und ich glaube zu wissen, dass du ein wundervoller Mensch bist, der das alles verdient hat. Alles. Mehr Verständnis. Mehr Glück. Mehr Liebe. Mehr Freiheit. Und vielleicht geht das jetzt nicht und vielleicht reicht die Hoffnung nicht für jeden Tag, aber ich kann dir auch meine versprechen. Ich glaube an dich und ich habe Hoffnung.

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