Dienstag, 12. Juli 2011

Tag 1

Dies ist mein erster Blogeintrag. Ich werde das schreiben, was ich erlebe, was ich fühle, denke, sehe, will.
Dabei werde ich versuchen, das in Worte zu fassen, was in meinem Kopf vorgeht und schon jetzt weiß ich, dass es mir nie 100 % gelingen wird. Alles hier wird ehrlich sein, direkt, offen. Es geht mir nicht darum gelesen zu werden oder Anerkennung zu bekommen, sondern es ist einfach ein Versuch etwas mehr Ordnung in meinen Kopf zu bekommen.
Ich werde mich bemühen jeden Eintrag nach den Regeln der deutschen Sprache zu schreiben, doch je nach meiner Stimmung kann deren strikte einhalten auch mal stark schwanken. Falls dies jemandem nicht passt hat er oder sie Pech gehabt.


8:30. Der Wecker klingelt, es fühlt sich grausam an. Schläfrig tastet meine Hand nach dem Handy und drück wahllos solange irgendwelche Tasten, bis das Signal endlich verstummt. Ich quäle mich aus meiner schützenden Decke hinaus in einen Tag in der Welt der Behörden.
Frühstück: Eine Schale Haferflocken, ein Glas Orangensaft und ein Glas Milchkaffee mit gutem Espresso.
Bad, Tasche greifen und zum Bus rennen.
9:30 verlasse den Bus und betrete den Behördenturm.
Trage an der Information mein Anliegen vor, 7. Stock.
Nein, hier sei ich falsch, da ich ja noch zur Schule gehe, 6.Stock.
Klopfe an der Tür, soll kurz warten. Eine halbe Stunde später werde ich dann hereingebeten. Packe mein Buch rasch ein, trage erneut mein Anliegen vor und darf mit einen 10 minütigen Vortrag, der 5 mal aus dem gleichen Inhalten in einer anderen beamtendeutschen Formulierung besteht, anhören. Nicke und lächle freundlich. -Ja, das verstehe ich alles und ist mir bewusst, aber was kann ich denn sonst machen?
- Sie müssen in den 7. Stock. Die helfen ihnen. - Da war ich, die haben mich zu ihnen geschickt.
Gehen zusammen in den 7. Stock. Bloß nicht das Ziel aus den Augen verlieren und ruhig bleiben. Er erklärt seiner Kollegin, warum sie zuständig sei, sie nickt, er geht.
Sie erklärt mir, dass ich hier trotzdem falsch sei und zum Jobcenter müsse, gibt mir die Adresse.
Zurück an die Info, frage wie ich mit dem Bus dort hinkomme. Erfahre, dass sie umgezogen sind und bekomme neue Adresse.
Warte auf den Bus, steige aus.
11:30. Das neue Jobcenter ist versteckt in einem Gebäude im Industriegebiet, welches es sich mit einem Autohaus teilt, Schilder sind ja auch völlig überbewertet und keiner will wissen wo das ist. Finde es schließlich doch. Schlange stehen an der Info.
Bekomme Name und Raumnummer von den zuständigen Herren. Ich habe glück und er ist noch da und hat direkt Zeit. Erkläre ihm mein Anliegen, er hört zu und nickt verstehend, seufz aber leise. Oh nein!
Ich müsse erst zum Jugendamt, die müssen das bestätigen und eine Bescheinigung ausstellen. Vorher könne er nichts machen.
NEIN! Meine Sachbearbeiterin glaubt mir kaum. Ist heute eh nicht mehr da.
Er notiert sich schon einmal meinen Namen, wünscht mir Glück. Ich bedanke mich und gehe.
Fahre zu einer Freundin, kochen, reden, lachen. Sie gibt mir die Parisbilder.
Fahre gegen halb 6 zurück, muss noch etwas abgeben.
Ich steige aus dem Bus aus und es regnet. Ein breites breites Lächeln huscht über meine Züge. Ich stelle mich in den Regen, den Kopf in den Nacken gelegt und genieße die warmen Tropfen die mir den klebrigen Schweiß von der Haut waschen. Es stört mich gar nicht, dass dabei meine Kleidung ebenfalls nass wird, meine Haare. Ich laufe mit einem Ohrwurm durch die Straßen.
Pigeon John- The Bomb
Lege die Weste vor die Tür und gehe zurück. Die Altstadt wimmelt von jungen Engländern, um mich herum ertönt aus jedem Winkel ein stark britisch akzentuiertes English.
Und der Bus fährt vor meiner Nase weg. Macht nicht, lese ich halt.
Zu Hause und völlig durchnässt, aber glücklich. Unnötige Diskussion mit it. Offensichtlich hat sie angst, dass ich es schaffe auszuziehen, erfahre zufällig durch ein Telephonat, dass sie führt, dass sie sich einen Zahn abgebrochen hat, Sonntag mein Notdienst und heute beim Zahnarzt. Aber ich bin Schuld, das das mit uns nicht klappt, ist klar!
Mails, Facebook, ect.
kino.to is back!
Neuer Ohrwurm, in Dauerschleife.


Schaue mir die Parisbilder an.  Endorphine jagen durch meinen Körper bei der Erinnerung an den Louvre.
Bleibe bei einem Bild hängen. 
John Martin- Le Pandemonium
Google den Künstler und sehe mir seine anderen Werke an.
Bekomme bei einem plötzlich eine Gänsehaut und muss weinen, warum, weiß ich nicht genau. Die Farben, die Leuchtkraft, die Verzweiflung und gleichzeitige Hoffnung, die es ausstrahlt.

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