Alles dreht sich momentan so schnell und ich komme nicht mit, bin wie ein Feld in einem Strom, an dem die Fluten langsam nagen um ihn loszulösen und mit sich davon zu tragen, wobei er immer kleiner und kleiner wird.
Ich habe das Gefühl, den halt zu verliehen.
Es wird alles ein wenig zu viel und dabei wird das meiste weniger:
Viele meiner Freunde reden kaum noch bis gar nicht mehr mit mir. Die Zeit, in der ich meinen Kopf frei benutzen kann und er nicht von irgendwelchen Emotionen, die ich zu verdrängen versuche, verstopft wird. Meine Motivation, irgendetwas für die Schule zu tun, morgens aufzustehen. Die Zeit, in der ich lache.
Und in letzter Zeit auch meine innerlichen Barrieren.
Da sind all diese wundervollen Menschen um die ich mir Sorgen mache, denen ich aber nicht helfen kann, weil ich keine Zeit habe, weil sie mich nicht lassen, weil ich nicht weiß, wie.
Und dann kann ich mich einfach nicht auf irgendwas konzentrieren. Alle Straßen in meinem Hirn sind verstopft, Informationen kommen einfach nicht durch und machen kehrt, ehe sie auch nur ansatzweise aufgenommen werden konnten. Ich lese ein und die gleiche Seite immer und immer wieder und versuche verzweifelt all diese verwirrenden Gefühle und vor allem Ängste beiseite zu drängen. Doch an ihre Stelle treten Bilder von Kisten mit Katzenbabys und Erinnerung an Düfte, an Augen, an Lippen.
Das ist zwar besser, als die Ängste, aber es bringt mich auch nicht weiter. Und wenn ich versuche auch all dies zu verdrängen, bricht wieder die Angst über mich hinein. Die Angst all das, was ich jetzt habe zu verlieren, oder auch nur einen einzigen Teil. Oder dass ich all das nicht mehr allzu lange mitmachen kann, dass irgendwann die Decke der Erinnerungsthruen aufbrechen und die dunklen, dornigen Arme der Vergangenheit mich zerreißen wollen.
Alles scheint schrecklich instabil zu sein, jedes einzelne Wort könnte hier, im Fuchsbau, Welten zerstören. Ich bin ständig auf der Hut und versuche meine Impulsivität zu zügeln. Dabei sollte das doch nicht so sein!
Hier ist der Fuchsbau, hier ist immer alles gut, egal, wie mies es da draußen auch ist.
Und dann ist da noch diese tolle Sache, das es wohl doch eine Person gibt, die mich sehr anziehend findet, allerdings ist das so mit die falscheste Person, die ich mir vorstellen könnte. Ich liebe sie, ohne Frage, aber als Freundin, nicht sexuell. Denn auch wenn sie hübsch ist, finde ich sie absolut nicht anziehend. Und jetzt redet sie nicht mehr mit mir, weil sie 'Abstand' braucht. Und natürlich bedeutet dies auch, dass gemeinsame Freunde nichts mehr von ihr hören. Natürlich machen sie sich deswegen Sorgen, aber ich kann ihnen nicht viel sagen.
Und dann ist da auch noch mein vermutlich bester Freund, der emotional momentan extremst überfordert ist, mit mir aber nicht reden will und mich immer öfter ignoriert.
Es tut weh. Nicht nur, weil er sich verändert, sondern vor allem, weil er mir fehlt.
Meine persönliche Molly ist auch am Rande ihrer Kräfte. Doch ihr kann ich am wenigsten helfen.
Ich kann niemandem helfen und das macht mich verrückt!
Und dann ist da auch noch sie. Sie schwirrt mir durch den Kopf, ihre Stimme, ihr Geruch, ihr Gesicht, ihr Lachen, einfach alles und immer wieder und ständig.
'Verliebt dich bloß nicht in mich!'
Nein, sicher nicht. Das wäre ja auch das dümmste, was ich tun könnte! Du bist zwar unglaublich schön und intelligent und absolut keine Prinzessin, aber neben dir bin ich ein dummes, kleines, unerfahrenes Kind! Was für einen Sinn hätte das? Zwischen uns liegen Welten, metaphorisch als auch wörtlich.
Und dennoch spukst du immer wieder in meinen Gedanken rum. Ob es dieses berühmte 'verliebt sein' ist, keine Ahnung.
Und dabei soll ich mich doch auf die Schule konzentrieren, soll meine Facharbeit schreiben. Nur noch wenige Monate und dann schreibe ich schon Abi. Heute in einem Jahr habe ich die Schule schon verlassen, jetzt zählt es. Doch all das nutzt nichts. Mein Kopf interessiert das nicht.
Schule ist der Ort, zu dem du musst um unnützen Kram zu lernen, der dich nicht interessiert und den du nie wieder brauchen wirst, umgeben von Menschen, die du nicht leiden kannst und die dich noch weniger mögen. Aber reg dich nicht auf, nimm es einfach hin. Ommmmmmm einfach hinnehmen ommmmm.Diese beschissene fast buddhistische Ruhe, die ich der Schule gegenüber momentan an den Tag lege, wird mich noch irgendwann einiges kosten, das weiß ich jetzt schon. In spätestens ein paar Jahren werde ich mich für meine Faulheit verfluchen, weil meine Noten nicht mich und meinen Verstand wiederspiegeln und ich dennoch auf sie reduziert werde.
Aber all das andere blockiert meinen Kopf momentan und ich kann auch mit kaum einen wirklich darüber reden, weil ich den Menschen entweder nicht genug vertraue, sie selbst schon genug Probleme haben oder sie mir einfach nicht zuhören.
Und dabei dachte ich, es wird alles leichter. Am Arsch.

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